Last Step

 

 

Da stand er nun. Vor ihm lag der Tod und hinter ihm ein Leben voller Pein.  Der Stein unter seinen nackten Füßen fühlte sich kalt und rau an.  Hinter ihm fühlte er die glatte Oberfläche seines Schlafzimmerfensters, er tastete mit seinen Fingern langsam weiter bis seine Finger die kratzige Oberfläche der Hochhausmauer fühlten.  Behutsam schob er einen Fuß nach dann den Anderen.  Sich an einem Vorsprung festklammernd beugte er sich nach Vorne. Nur mal sehen wie tief es ist.  Er schnappte nach Luft und presste sich gegen die Mauer.  Wer hätte gedacht das es im 7. Stock so weit runter geht.  Sein Blick wanderte nach Oben in den von Regenwolken verhangenen Abendhimmel, bald würde er seine nasse Last auf die Welt ablassen. 

Er schloss die Augen, durch das halb offene Fenster konnte er seine Mutter klagen hören.  Sein Vater saß wohl wieder vorm Fernseh und verfiel in Depressionen.  Eine Welle von  Kummer und Wut überschwämte ihn.  Eine einzelne Träne wanderte über seine Wange.

16 Jahre hatte er das durchgehalten aber genug war genug.  Heute würde er dem ein Ende setzen.  Er schob einen Fuß langsam bis zur Kante.  Seine Zehen klammerten sich an den kalten Stein.

Er blickte nun auf das Hochhaus vor ihm.  Im Zimmer seines Ex-Besten-Freundes brannte Licht. Wahrscheinlich eine seiner Ach so tollen Partys.

Seine Zehen entspannten sich, die kalte Abendluft umspielte sie.  Ein Windhauch lies sein schwarzes Harr flattern.

Seine Augen verrenkten sich zu schlitzen.  Er hatte etwas blondes am Fenster seines Ex-Freundes vorbei gehen sehen.  Im Wohnzimmer ging das Licht an, Sie und Er fielen sich knutschend in die Arme, direkt vorm Fenster so dass es jeder sehen konnte. Er konnte sich noch gut an ihre Küsse erinnern. Sie waren wundervoll, sie war in allem wundervoll was sie tat.  Nur treu war sie nicht, genau wie sein Freund.  Wie sonst hätte sie ihn mit ihm betrügen können.  Und er war lieber ihr gefolgt, er hatte einfach ihre Freundschaft aufgegeben wegen eines Mädchen. Hatten sie sich nicht geschworen das ihre Freundschaft ewig halten würde? 

Sein zweiter Fuß schob sich langsam nach Vorne.  Wie erstarrt blickte er auf die zwei Personen die sich nun küssend aufs Sofa fallen ließen.

Abrupt lies er den Mauervorsprung los so dass er kurz schwankte.  Doch schnell hatte er wieder sein Gleichgewicht gefunden. Die kühle Abendluft pfiff durch seine Kleider, lies ihn frösteln.

Jetzt war die Zeit gekommen Lebewohl zu sagen. Er hörte Sirenen, mehrere Polizeiwagen fuhren vor, sie sperrten die Straße. Passanten zeigten zu ihm hoch.  Sein blick wanderte ins Wohnzimmer seines Freundes.  Sie hatten aufgehört sich zu Küssen, wohl von den lauten Sirenen aufgeschreckt, entsetzt starrten sie ihn an.

 

 Er hörte das die Haustür aufgerissen wurde, die Polizisten hielten sich nicht mit klingeln auf.  Seinem Ex-Freund in die Augen blickend sprang er.  Hinter ihm wurde seine Zimmertür aufgestoßen, krachend flog sie aus dem Rahmen.  Er hörte das Rauschen des Windes an seinem Ohr und das schreien der Passanten. Endlich nimmt es ein Ende, dachte er. Der erste Regentropfen viel ihm auf die Hand, noch ein paar Zentimeter bis zum Boden....

 

Und alle die da an meinem Grabe stehen,

ich frage mich wo sie in meinem Leben waren.

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